FARBKORREKTUR (1) - WARUM SIE SINN MACHT
Datum: 27. November 2010 --- Autor: Daniel Kosig (Regie & Postproduktion)
Die Farbkorrektur ist ein gerne vernachlässigter Bereich der Filmproduktion, speziell wenn es sich um ein Projekt mit geringem Budget handelt. Nehmen wir beispielsweise an, ein kleines Unternehmen möchte einen Werbefilm erstellen lassen, mit dem das neueste Angebot im Internet präsentiert werden kann. Der Wunsch ist, mit geringstmöglichem Aufwand eine positive Werbewirkung zu erzielen. Aus Kostengründen entscheidet man sich also, nach den Dreharbeiten und dem Schnitt des Videomaterials auf eine weitere Nachbearbeitung zu verzichten.
Ein Werbefilm in Schwarz-Weiß?
Doch wurde diese Kosteneinsparung wirklich an der richtigen Stelle vorgenommen? Dazu ein kleines Gedankenspiel: Das Unternehmen hat sich für einen farblich unbearbeiteten Film entschieden, der sicher einen ganz anderen visuellen Eindruck vermittelt, als er es nach einer professionellen Farbkorrektur könnte. Würde sich dieses Unternehmen auch dafür entscheiden, den Werbefilm komplett in Schwarz-Weiß drehen zu lassen, wenn es dafür günstiger wäre? Aller Wahrscheinlichkeit nach nicht.
Der Grund dafür ist einfach: Schwarz-weißes Bildmaterial ruft beim Zuschauer eine Assoziation an längst vergangene Zeiten wach. Die Chance, dass der Werbefilm damit frisch und aktuell wirkt, ist sehr gering. Mit unbearbeiteten Farbaufnahmen verhält es sich ähnlich, auch wenn die Assoziation eine andere ist. Es ist so, dass heute jeder potentielle Zuschauer selbst eine Full-HD Kamera zu erschwinglichen Preisen erwerben kann und deshalb stark mit dem Look seiner eigenen privaten Videoaufnahmen vertraut ist. Ein Werbefilm mit der selben visuellen Ästhetik wirkt daher schnell wie ein gewöhnliches "Home Video".
Die Vorzüge der Farbkorrektur
Der professionelle Eindruck eines Produktfilmes oder eines Unternehmensvideos ergibt sich ab dem Punkt, an dem der Konsument das Gefühl hat, dass er es nicht ohne weiteres hätte selbst drehen können. Neben einer durchdachten Bildsprache bezüglich der Einstellungsgrößen (also ob und wann ein Objekt ganz oder nur ausschnittsweise im Bild zu sehen ist) und der Kamerabewegungen gehört eben auch die Farbkorrektur zu den bestimmenden Faktoren.
Diese Tatsache bietet eine große Chance für den Werbenden: So negativ sich der Bildeindruck bei unbearbeiteten Aufnahmen auszuwirken vermag, so positiv kann ein farbkorrigierter Werbefilm aus der Masse herausstechen - und das ohne allzu großen finanziellen Aufwand. Bestimmte Farbtöne können abgeschwächt, ganz entfernt oder auch als besonders dominant herausgearbeitet werden. Auf diese Weise lässt sich beispielsweise für einen Werbespot ein ganz besonders "cleanes" Erscheinungsbild realisieren, es können allgemein geltende Farbsymboliken zur unterschwelligen Verstärkung der Botschaft genutzt werden und man hat die Möglichkeit, ein Unternehmensvideo in den Farben des Corporate Designs zu produzieren.
Ein konkretes Beispiel für die Auswirkungen der Farbkorrektur auf den visuellen Eindruck eines Bildes finden Sie im zweiten Teil:
Farbkorrektur (2) - Die Macht der Farben